Community Mix #003
MARXA
Was macht einen MarXa-Track aus? Wie übersetzt man Wut, Queer Joy und Lebensfreude in ein Set? MarXa spricht über Vocals als Kommunikation, musikalische Weirdness und darüber, wie aus Emotionen ein eigener Sound entsteht.
Latent angepisst, aber immer auf der Suche nach Happiness – so beschreibt MarXa die Stimmung hinter ihrem Community Mix.
Ihr Sound bewegt sich zwischen Wärme und Rudeness, wilden Percussions, Vocals und einer gewissen Weirdness. Dabei geht es ihr nicht nur darum, was funktioniert oder in die Beine geht. Tracks dürfen Haltung haben, Geschichten erzählen und Emotionen transportieren.
Auflegen ist für MarXa ein Weg, genau durch diese Emotionen hindurchzugehen: Wut, Hoffnung, Liebe, Stolz – aber auch Queer Joy, Friendship und gepflegtes Ausrasten.
Im Interview spricht sie darüber, warum Vocals für sie eine Form der Kommunikation mit dem Dancefloor sind, weshalb Freundinnen und Community zu ihren größten Inspirationsquellen gehören und wie aus unterschiedlichen musikalischen Facetten am Ende trotzdem ein eigener Sound entsteht.
Fragen an Marxa
Woran erkennt man einen MarXa-Track?
Ich mag perkussive Tracks, mit Drive, Wärme und gerne auch Vocals. Die Verbindung von Leichtigkeit und einer gewissen Rotzigkeit finde ich schön. Meine Setlists haben in der Regel ein Wortspiel mit „Rude“ im Titel. Ich möchte, dass mein Sound zum Anlass passt aber unkonventionell bleibt.
Was darf in deinem Sound niemals fehlen? Gibt es ein Element, das dich immer wieder anzieht?
Vocals sind mir sehr wichtig. Und auch die Message dahinter. So kann man mit dem Menschen auf dem Dancefloor reden, ohne die eigene Stimme zu benutzen.
Wer oder was hat dich zuletzt inspiriert?
Inspiration heißt für mich Bewegung, Herausforderung, Spaß. Das Gefühl zu bekommen, dass man jetzt sofort loslegen möchte. In letzter Zeit wurde ich zum Beispiel von Jonas Landwehr inspiriert, der ein Ambient Set mit Blues und Jazz bei dem Listening Café von About Repetition in Düsseldorf gespielt hat, wo ich mit im Orga-Team bin. Dadurch habe ich eine Idee bekommen, wie meine eigene Ambient-Reise aussehen könnte.
Ständige Inspiration bekomme ich durch meine Freundinnen, die alle viel tun, um ihre Ideen in die Welt zu bringen. Und durch mein Kollektiv, Get Over It, mit Trish und Isa kann ich unermüdlich über Träume, Wünsche und Ziele reden. Die Frauen in meinem Leben sind Hype und hypen mich up. Das wir alle aneinander glauben, ist die größte Inspiration.
Welche Stimmung hat dich für dieses Set inspiriert?
Latent angepisst, aber immer auf der Suche nach Happiness.
Es passieren so viele grausame Sachen und das Auflegen ist eine Möglichkeit für mich, durch meine Emotionen zu gehen und sie zu verarbeiten. Queer Joy, Loving Friendship, gepflegt Ausrasten, Rude sein, das ist die Stimmung.

Was war das schwierigste bei der Auswahl?
Ich habe sehr viele Facetten. Ursprünglich habe ich vor allem Pop und Hip-Hop aufgelegt. Seit sieben Jahren bin ich DJ beim Pitcher Poetry Slam in Düsseldorf, wo ich immer noch Pop spiele. Aber ich spiele auch gerne queeren, bouncy Techno, abgespacte Sets mit UK Bass und Latin Einflüssen, oder eben eher ruhige, mystische Melodien. Zu überlegen, auf welche Reise ich die Hörer*innen diesmal mitnehme, hat mich lange beschäftigt.
Was bedeutet Auflegen für dich persönlich?
Ich mag die Situation, einen Zeitraum für andere Menschen zu kreieren, in den wir gemeinsam eintauchen können. Es ist auch immer wieder eine Challenge, ich bin oft nervös und hinterfrage meine Selection und meine Skills. Aber wenn etwas funktioniert, macht mich das wahnsinnig glücklich.
Wie fühlst du dich beim Auflegen?
Oft habe ich sehr viele Gedanken im Kopf, wenn dann der Moment kommt, wo ich komplett in die Musik komme und nur noch höre und alles andere komplett irrelevant wird, dann fühle ich mich komplett.
Was willst du mit deinem Sound ausdrücken?
Lebensfreude, Rebellion, Sexiness, mausige Rudeness, Eskalation, Community.

Spielst du lieber spontan oder planst du dein Set im Voraus und warum?
Beides. Ich schmeiße viele Tracks in meine Setlist und dann fange ich an, die Sachen auszusortieren, bei denen ich merke, dass sie nicht richtig in das große Ganze passen oder zu kompliziert zum mixen sind. Ich habe gerne doppelt so viele Tracks drin, wie ich eigentlich benötige, dann fühle ich mich sicher. Aber mehr würde auch schnell zu Unsicherheit führen.
Welche Geräusche oder Texturen inspirieren dich jenseits klassischer Clubsounds?
Regen, Blätterrauschen, Stimmengewirr, Wind. Die Geräusche, die glücklich Menschen und die Natur machen.
Gibt es Sounds, die du bewusst vermeidest oder selten nutzt?
Es gibt Sounds, die sind mir zu „kalt“. Das ist zum Beispiel im Dub-Techno Bereich der Fall. Es gibt auch Tracks, bei denen ich persönlich auf dem Dancefloor komplett ausrasten würde, aber bei denen ich denke, dass viele Menschen nicht das gleiche empfinden würden. Die spiele ich dann auch nicht.
Wie wichtig ist für dich Klangästhetik im Vergleich zu Rhythmus oder Groove?
Schwierige Frage. Ich finde beides sehr wichtig. Aber ich könnte keinen groovigen Track spielen, der nicht „noch mehr“ hat. Da muss dann ein Vocal oder ein anderer Sound drin sein, der unbedingt in die Story des Sets gehört. Aber wenn ein Track total von der Ästhetik passt, ohne dass er in die Beine geht, finde ich das auch schwierig.
Welche Software, Hardware oder Effekt-Ketten prägen deinen Sound?
Ich komme von Traktor, vielleicht hat mich das geprägt. Ich finde es schwierig, mit einem Allen&Heath Mixer zu spielen, weil ich nicht so viele Hardware Wissen oder technisches Wissen habe. Und noch bin ich nicht aus dem zwei Kanal Mixing herausgekommen, deswegen ist komplexes Layering noch nicht so mein Ding. Das löse ich über Song Selection, über Tracks, die voll mit Frequenzen sind.
Welche kleinen Details sorgen für “deinen” Wiedererkennungswert?
Eine gewisse Weirdness würde ich sagen. Lustige Sounds, wilde Percussions… das mag ich.
Hast du einen Signaturtechnik oder Effekt?
Hall und Flanger kommen am ehesten zum Einsatz. Und ich mag Live Mash-Ups, auch wenn ich die nicht oft mache. Beyoncé Vocals über Deep Dubstep oder einen wilden Housetrack, das kommt böse.
Lange oder kurze Übergänge?
Mittlere. 🙂 Oder kurze.
Was bringt dich in eine kreative Stimmung oder inspiriert dich am meisten?
Musik beim Sport oder ein geiles Set im Club hören. Dann denke ich, dass möchte ich jetzt auch machen.
Wie entstehen deine musikalischen Ideen?
Ich mache nicht aktiv eigene Musik, aber würde es gerne. Ich habe viele Ideen im Kopf, die meisten drehen sich um Vocals, oder eine bestimmte Stimmung.
Gibt es einen Ort, an dem du besonders gut Musik denken oder fühlen kannst?
Das ist ein körperlicher Zustand. Zum Beispiel beim Laufen oder Tanzen fühle ich Musik ganz anders.
Wer oder was hat deinen Zugang zu elektronischer Musik geprägt?
Eurodance, Blümchen, Motte und Westbam als Kind. Später dann Indietronics und weiblicher Electropop.
Wie beeinflussen dich andere Kunstformen (Design, Tanz, Architektur, Film)?
Film und Tanz sind mir sehr nahe. Bewegtes Bild und Musik matchen für mich extrem gut. Und beim Tanzen kann ich körperlich in die Musik gehen.
Was ist für dich der Unterschied zwischen einem guten und einem bedeutenden Mix?
Ein guter Mix ist einer, wo man sehr viel Spaß hat. Ein bedeutender Mix ist einer, der die Wahrnehmung verändert.
Gibt es Momente außerhalb der Musik, die deine Sets beeinflussen?
Die Räumlichkeit, in der ich spiele, auf jeden Fall. Open Air spiele ich anders, als drinnen. Und dann mein Privatleben. Dinge, die ich gerade verarbeite, beeinflussen, was ich in dem Moment hören und spielen möchte.
Welche Emotion möchtest du mit diesem Mix transportieren?
Hoffnung, Katharsis, Wut, Liebe, Stolz.
Gibt es Themen oder Gefühle, die immer wieder in deiner Musik auftauchen?
Etwas schwebendes, fallendes vielleicht. Über den Menschen oder der Erde schweben, durch ein Schwarzes Loch reisen, im Wasser floaten. Dass sind Vorstellungen, die ich in der Musik suche.
Und queer liberation, female empowerment, queer joy, sind Themen, die mir wichtig sind.

Welche Rolle spielt Intuition beim Zusammenstellen eines Sets?
Eine große. Und auch Vorstellungskraft. Ich visualisiere den Ort, an dem ich auflegen werde und die Menschen, die auf dem Dancefloor sind, um mir vorzustellen, ob der Track passen würde.
Gibt es Erinnerungen oder Erlebnisse, die sich direkt im Sound wiederfinden?
Manche Tracks sind komplett durchtränkt von Erinnerungen. Dancing on my own von Robyn löst einen ganzen inneren Film in mir aus. Und bei vielen anderen wahrscheinlich auch.
Wo siehst du dich klanglich oder künstlerisch gerade auf deiner Reise?
Es gibt so viel Musik, die ich noch nicht entdeckt habe, und nach der ich im Moment aktiver suche. Dieses Jahr habe ich keine künstlerischen Ziele, aber ich möchte gerne mit dem Auflegen in andere Situationen kommen. Zum Beispiel im Ausland spielen, das habe ich noch nicht so oft getan. Ich würde gerne mal am Strand auflegen. Oder auf einer Kinky Party. Da könnte ich noch weitere Facetten von meinem Sound ausprobieren.
Danke, Marxa,
für den Mix und vor allem für die offenen Einblicke in deinen Sound, deine Gedanken und die Geschichten dahinter. 🖤
Genau darum geht es bei den Community Mixes: unterschiedliche Perspektiven auf Musik sichtbar zu machen, neue Sounds zu entdecken und voneinander zu hören, was uns musikalisch bewegt.
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