Community Mix #001
ALECHNO
Was macht ein Set unvergesslich? Welche Gefühle begleiten einen Mix von der ersten bis zur letzten Minute? Während das Set läuft, nimmt uns Alechno mit durch ihre Gedanken, Erinnerungen und musikalischen Entscheidungen.
Ich freue mich sehr, mit Alechno die Community-Mix-Reihe von Rambos Magazine zu eröffnen.
Alechno kenne ich noch aus meiner Zeit in Siegen und ich habe das Gefühl, dass wir musikalisch einige Gemeinsamkeiten teilen: hypnotische Grooves, emotionale Momente und die Fähigkeit, eine ganz eigene Atmosphäre entstehen zu lassen.
Mit ihrem Kollektiv ge.nicht.heim prägt sie außerdem die Siegener Szene. Die Veranstaltungen im Vortex sind für ihre Offenheit, Inklusivität und die besondere Atmosphäre bekannt: Orte, an denen sich Menschen willkommen fühlen und möglichst frei bewegen können.
Für diese erste Ausgabe hat sie nicht nur einen Mix aufgenommen, sondern ihre Gedanken zu jedem einzelnen Track festgehalten. Entstanden ist ein sehr persönlicher Einblick in ihre musikalische Welt.
Aber am besten stellt Alechno euch ihr Set selbst vor:

Herzlichst willkommen zu meinem Set, Bitchesss*
(- Dive in, Gedanken Sharing Edition -)
(danke @rambos_magazine für diese mega geile idee!)
Musik war für mich schon immer mehr als nur Energie oder Funktion. Sie ist ein Ort, an den ich zurückkehren kann, wenn die Welt zu laut wird, Gedanken zu viel Raum einnehmen oder Gefühle sich nicht in Worte übersetzen lassen.
Dieser Mix ist aus genau diesem Zustand heraus entstanden. Nicht als Peak-Time-Set für den perfekten Clubmoment, sondern als Einladung, für eine Weile in eine andere Spähre einzutauchen. Ein Kosmos zwischen Euphorie und Sehnsucht, zwischen Bewegung und Tagtraum, zwischen Kontrolle und Loslassen.
Die Tracks in diesem Mix haben mich auf unterschiedliche Weise begleitet. Manche seit Jahren, manche erst seit Kurzem. Was sie verbindet, ist ein Gefühl: Sie lassen mich gleichzeitig tiefer eintauchen und freier werden. Sie geben meinem Kopf weniger und meinem Körper mehr Raum.
Wenn du diesen Mix hörst, wünsche ich dir genau das. Dass du dich darin verlieren darfst, ohne dich zu verlieren. Dass du dich selbstbewusst dazu bewegen, darin träumen und vielleicht für einen Moment alles andere etwas leiser werden lassen kannst.
Consens-XOXO, Alechno
Jetzt: Set abspielen und weiterlesen.
Setlist
- Ocirala – Track for NIX (Original Mix)
Den wollte ich schon sooo lange spielen, omgggg. Hab ihn vor 2 Jahren gekauft und jetzt fühlt es sich endlich richtig an. Ich hab ihn das erste Mal bei Julian Muller in seinem Intercell Open Air Set gehört und weiß das bis heute noch ganz genau. All time fav. Einer dieser Tracks, die einfach unfassbar hot klingen, ohne sich anzustrengen. Gibt mir direkt ein selbstbewusstes Gefühl.
- Leo – Bikini Bottom
Der führt diesen fast atmenden, leicht singenden Vocal-Vibe vom ersten Track weiter, aber nochmal etwas tranciger. Und puh… dieser eine Ton im Drop, der die ganze Zeit mitschwingt – like it a looooot. Hab den auch schon auf meiner eigenen Veranstaltung gespielt und über Clubanlage kam der sooo gut.
- Pōnky- This my chip
Easy, sassy, selbstbewusstes Sample. Einfach mega niceeee.
- Some guest – Models In The Ice
„Fly like a G6“ ist einfach geil, oder nicht? Der Track hat für mich gleichzeitig etwas Kaltes, Baddieges und komplett Verschobenes. Fühlt sich an wie Bewegung unter Neonlicht.
- Katseye – Gnarly (Marlon Hoffstadt Coachella Edit)
Marlon Hoffstadt Edits, die nur auf Soundcloud verfügbar sind, haben manchmal einfach mein Herz. Dieser hier besonders. Das ist ein Edit der multinationalen Girlgroup Katseye und ich liebe diese Messer-Soundeffekte darin. Einfach badass halt. Zweitbester Take: “I’m the shit.”

- Stum – Loves Love (Original Mix)
STÜM ist ein Artist, den ich erst vor ein paar Monaten bewusster wahrgenommen habe. Mir gefallen echt super viele seiner Tracks, weshalb hier vielleicht auch der ein oder andere mehr auftaucht… upsi.
Kennt ihr das, wenn ihr ganz selten mal Artists findet, bei denen euch wirklich super viele Releases gefallen? Ich finde das inzwischen ziemlich selten und genau deshalb irgendwie besonders schön.
- Raël – Endgame
Dieser Track verbindet für mich dieses mechanische, raue und groovige mit einer hohen Stimme und puh… ich liebe solche hohen gepitchten Vocals, die trotzdem noch Raum haben dürfen und nicht komplett alles übernehmen. Auch dieses Repetitive daran mag ich total, man kann sich richtig gut darin verlieren.
Der Track hat keine riesigen besonderen Drops, aber genau deshalb trägt er es für mich so gut. Er passt perfekt in den Flow der Geschichte, die ich mit dem Set erzählen möchte.
- Æ.Æ – GODDÆMND
Wowiiii dieser Break 😭 Und dieser Track einfach generell uiuiuiui.
Hab den in der stressigen Phase der Vorbereitung für Vivid Playground gefunden und dort auch relativ am Anfang gespielt. Natürlich hat der auch super groovige Passagen, aber als ich diesen Break das erste Mal gehört habe, war ich ein bisschen verknallt in die Melodie.
Ich glaube genau das mag ich daran so sehr: Es ist kein komplett hochdramatischer Break, aber trotzdem emotional genug, dass man kurz etwas fühlt, ohne direkt komplett in theatralische Gefühle zu kippen. It’s all about the balance I think hahah.
- David Löhlein & Rove Ranger – Club Riot
Wer tanzt dazu denn bitte nicht zu Hause?
Wenn man auf die Vocals achtet, bringt David Löhlein das komplette Clubgefühl in Riot-Form nach Hause. Und ich merke gerade beim Schreiben dieser Texte erneut: Ich liebe Vocals. Wirklich. 😯 Vor allem, wenn sie rhythmisch so gut mit dem Track verschmelzen.
- Buffy – Under the ground
„Sweat.“ „Motion.“Lässt sich perfekt in Club Riot einfügen, fast so, als wäre es derselbe Track. Ich liebe solche Momente.Der Bass ist sehr klar und direkt, gleichzeitig wird es hier etwas mechanischer. Und auch das ist wieder ein Track, der keinen großen Drop braucht. Er funktioniert einfach durch seine konstante Präsenz.
- Stum – Dreaming Of You (Original Mix)
Wir gehen wieder in eine verspieltere Richtung.Für mich fühlt sich der Track tatsächlich ein bisschen wie ein Traum an. Ich schwebe, werde zwischendurch kurz Richtung Boden gezogen und dann hebt mich der Track wieder an. Genau dieses Gefühl mag ich daran so sehr.
- Yanamaste – Dance
Ein Track, den ich gefühlt schon in den unterschiedlichsten Sets und von den unterschiedlichsten Artists gehört habe.
Was mir hier besonders gefällt, ist die Hochzeit zwischen den letzten Momenten von Dreaming Of You und den „Dance“-Vocals. Fällt es auf, dass ich es liebe, mit Vocals zu spielen? Lol.
Außerdem kommt hier etwas zusammen, das ich beim Auflegen generell spannend finde: Dreaming Of You ist deutlich melodischer und verspielter, Dance eher reduziert und funktional. Deshalb habe ich bestimmte Melodien länger stehen lassen und Acid Moon relativ früh dazugenommen. So verbinde ich gerne unterschiedliche Genres, Stimmungen und Energien miteinander.
- Stum – Acid Moon (Original Mix)
Uhhhh yeahhhh. Ein acidlastiger Track hat es ins Set geschafft.
Hab ich schon erwähnt, dass ich vor ein paar Wochen ein bisschen obsessed mit STÜM war? Hahahah.
Irgendwann habe ich gesagt: Wenn ich Tracks produzieren würde, dann wahrscheinlich in diese Richtung. Wobei das auch nicht ganz stimmt, weil ich mich wahrscheinlich nie auf nur eine Richtung festlegen könnte.
Und ich merke gerade beim Schreiben dieser Kommentare, dass sie von Track zu Track persönlicher werden. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich beim Verfassen gerade extrem PMS habe und depressiv bin hahahah.
- STÜM – Crystal Waters – Gypsy Woman (STÜM Edit)
Ein Edit einer der einflussreichsten FLINTA*-Stimmen der elektronischen Musik: Crystal Waters. STÜM bringt den Klassiker in eine moderne, clubtaugliche Form zurück: zeitlos und trotzdem frisch.

- Vlackon – Backlash
Ja, jetzt wird’s nochmal energetischer. Vor allem dieser fast sirenenartige Ton, der sich alle vier Beats wiederholt, gibt dem Track eine ganz eigene Energie. Er ruft dich irgendwie. Und dann diese Basslines. Und dann in der Break die melancholische Melodie. Oh yeahhhhh. Während ich das gerade höre und schreibe, möchte ich mich direkt wieder auf einen dunklen Dancefloor beamen.
Nüchtern natürlich. Ich fühle meine Sets auch ohne irgendwelche Substanzen. Don’t do drugs kidzzzzz.
- BLADEXC – I Need Your Lovin‘
Den habe ich meinem Girlfriend im Mix gewidmet. Bombentrack, Bombenvocals und Bomben-Girlfriend. What shall I say more? Wie süß kann ein Track bitte sein? Awwwwww. Ich werde dieser Melodie einfach nicht überdrüssig, obwohl sie wahrscheinlich schon durch die Ohren von sehr vielen Menschen geflossen ist. Kann ich trotzdem nicht oft genug hören. Vor allem zusammen mit dem Bass des nächsten Tracks. Der trackeigene Bass hatte mir nämlich ein kleines bisschen zu wenig Bums.
- Lethaka – Alcane
Der Track fühlt sich für mich fast wie ein Tunnel an. Ab hier bin ich komplett im Set angekommen. Ich denke gar nicht mehr über einzelne Tracks nach, sondern nur noch über die Stimmung. Und die Melodie erinnert mich tatsächlich ein kleines bisschen an Vivaldi. Fragt mich nicht warum. Zumindest sagt mir mein innerstes Bauchgefühl das.
- Origin – Jack It
Tadaaaaa, ein Überraschungstrack hehehehehe. Erstens liebe ich kleine Überraschungsbonbons in Sets. Und zweitens finde ich, dass die sich wiederholende Melodie super zu dem Vibe des vorherigen Tracks passt. Vielleicht fühlst du das ja auch. Bei solchen Tracks bin ich manchmal ein bisschen unsicher, wie ich sie einbauen soll.
Aber genau diesen Prozess mag ich: sich einfach trauen. Als eigentlich großer People-Pleaser ist es für mich immer wieder ein Schritt, aus meinen sicheren Auflegemustern auszubrechen und mich etwas mehr außerhalb der Reihe zu bewegen. Tbh: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vielleicht gibt es Menschen, die sagen: „Nee, nicht so meins.“ Vielleicht gibt es aber auch Menschen, die es feiern, dass ich nicht immer nur einem Subgenre treu bleibe.Dafür gibt es einfach viel zu viel geilen Shit da draußen.
- KI/KI – What’s a Girl to Do in ’25 (Extended)
An diesem Track kommt gefühlt kaum jemand vorbei. Zumindest habe ich das Gefühl. Ich liebe das Original schon lange und seit die Version von KI/KI draußen ist, denke ich mir einfach nur: geiiilllll. Ich mag diesen Vibe total, weil er für mich nochmal etwas tanzbarer und clubfreundlicher geworden ist. Vielleicht für manche nicht akzeptabel, aber ich gehe gerne mit der Zeit und mit dem Sound. Und ich lasse mich auch gerne überzeugen. Wenn mir ein Track Spaß macht, dann macht er mir Spaß. Punkt.
- Aexhy, LAZE – tomodachi
OOOOOhhhh, der letzte Track. Der liegt original bei 170 BPM und ich bin im Set tatsächlich bei 161 BPM gelandet. LOL. Ich liebe solche etwas höher gepitchten Stimmen ja sowieso. Die tauchen immer wieder in meinen Sets auf. Außerdem gibt es beim Label SPF Infini einfach unfassbar viel geilen Shit. Ich bin da erst dieses Jahr tiefer eingestiegen und entdecke ständig neue Sachen. Soweit ich weiß, sind sie selbst noch relativ frisch unterwegs und stellen immer wieder neue Artists vor. Ich mag vor allem die Welt, die sie über ihre Sets erschaffen. Falls ihr sowas mögt: Gebt mal ein paar ihrer Sets auf YouTube ein. Man kann sich da wunderbar verlieren.
Und wenn du bis hier gelesen hast: Danke für deine Aufmerksamkeit. ❤️
Ich hoffe, du hattest Spaß mit dem Set, konntest ein bisschen abschalten und vielleicht sogar für einen Moment in eine andere Welt eintauchen. Für mich war es auf jeden Fall unglaublich spannend, durch das gesamte Set zu gehen und all diese Gedanken aufzuschreiben.

Drei Fragen an Alechno
“Woran erkennt man einen Alechno Track?”
Ich glaube, man erkennt einen von mir ausgesuchten Alechno-Track oder Mix daran, dass Spannung eher langsam aufgebaut wird, statt sofort alles preiszugeben. Ich mag hypnotische Elemente, rohe Texturen und emotionale Momente, die trotzdem treibend bleiben. Oft passiert das Interessante eher subtil. In Atmosphären, langen Übergängen oder kleinen Details, die eine bestimmte Stimmung entstehen lassen.
Mir ist wichtig, dass sich ein Set wie eine Reise anfühlt und nicht nur wie eine Aneinanderreihung von Tracks. Ich versuche eher etwas aufzubauen, das Menschen wirklich fühlen können.
“Gibt es Themen oder Gefühle, die immer wieder in deiner Musik auftauchen?”
Ich glaube, in meinen Sets tauchen oft Spannung, Sehnsucht, Euphorie und auch eine gewisse Melancholie auf. Mich interessieren Momente, die gleichzeitig emotional und körperlich wirken können.
Musik ist für mich oft eine Art, Dinge zu verarbeiten oder Stimmungen greifbar zu machen, die sich schwer in Worte fassen lassen. Deshalb bewege ich mich meistens irgendwo zwischen Kontrolle, Eskapismus und emotionaler Intensität. Ich hab soooo oft Gänsehaut während ich meine Sets vorbereitet und auch allgemein fühle ich sehr viel über Musik.
“Was ist für dich der Unterschied zwischen einem guten und einem bedeutenden Mix?”
Ein guter Mix funktioniert technisch und energetisch. Ein bedeutender Mix hinterlässt für mich aber ein Gefühl. Ich mag Sets, die eine eigene Welt aufbauen und Menschen wirklich irgendwohin mitnehmen, statt nur von Peak zu Peak zu springen.
Oft sind es genau die kleinen Spannungsmomente oder emotionalen Kontraste, die einen Mix für mich erinnerbar machen.
Dieser Mix sollte sich für mich wie eine bestimmte Nacht anfühlen: selbstbewusst, hypnotisch und emotional, aber nie komplett vorhersehbar. Ich wollte Spannung eher langsam aufbauen und mit Kontrasten spielen: warme, fast verträumte Momente treffen auf rohe Energie und kontrollierten Druck.
Beim Auswählen der Tracks war mir wichtig, nicht nur Musik zu spielen, die klassisch für Peak-Time oder Closing gedacht ist. Viele Tracks in dem Set fühlen sich für mich eher intim an. Eher wie Musik für den Moment alleine zu Hause, nachts unterwegs oder komplett im eigenen Kopf versunken.
Ich mag die Vorstellung, dass man sich zu dem Mix gleichzeitig selbstbewusst bewegen und trotzdem irgendwo hineinträumen kann. Dass der Kopf für einen Moment leiser wird, man aber trotzdem emotional und körperlich stimuliert bleibt. Genau dieser Zwischenraum interessiert mich: Euphorie, Sehnsucht, Eskapismus, Kontrolle und emotionale Intensität gleichzeitig.
Deshalb war mir wichtig, dass sich das Set nicht nur energetisch entwickelt, sondern mit der Zeit eine eigene Atmosphäre aufbaut, in die man immer tiefer hineingezogen wird. Fast wie ein innerer Film oder eine Nacht, die sich ständig verändert, aber trotzdem zusammenhängend anfühlt.
Danke, Alechno,
dass du den Auftakt unserer Community-Mix-Reihe mit diesem besonderen Set gestaltet hast.
Ich hoffe, ihr konntet ein wenig in ihre musikalische Welt eintauchen, neue Musik entdecken und vielleicht auch Inspiration für eure eigenen Sets, Gedanken oder Track-Entdeckungen mitnehmen.
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